MLM- Systeme, Scheinselbständigkeit und andere Fallen bei der Jobsuche

"Bis zu 10.000.- € Verdienst. Auch für Ungelernte, Arbeitslose, Hausfrauen, Studenten. Eigenes neues Vertriebssystem eines vollkommen neuen Produkts!" Gerade wenn man Schulden hat und vielleicht arbeitslos ist, greift man gerne nach solchen Veröffentlichungen.

Manchmal ist es auch ein Bekannter, welcher einem die Möglichkeit der einfachen Selbständigkeit bei interessanter Tätigkeit anpreist.

Im Wesentlichen gibt es drei Systeme, an deren Ende eines sicher ist. Du hast die Arschkarte! Beim ersten System versucht ein Unternehmer besonders unangenehme, oder unprofitable Bereiche seines Unternehmens, für die er früher eigene Mitarbeiter teuer bezahlen musste, auf elegante Weise dadurch loszuwerden, indem er diese Arbeiten jetzt an "selbständige" Auftragnehmer z.B. dich vergibt, die dann die Arbeiten für ihn erledigen. Das Geschäft macht er noch immer mit den eigentlichen Auftraggebern, aber er "makelt" jetzt diese Aufträge, die er früher mit eigenen Mitarbeitern selbst erledigt hat. Auf diese Weise spart er Sozialabgaben für eigene Angestellte, muss sich selbst nicht mehr um Arbeitsschutzvorschriften, Steuern, Krankenkasse u.Ä. kümmern und verdient bei seinen Auftraggebern noch immer das gleiche wie mit eigenen Mitarbeitern. Auf diese Weise kannst du Reinigungskraft, Kurierfahrer, Versicherungsvertreter, Bäckereileiter, Kaufhausdetektiv, Marktforscherin und vieles mehr werden. Die Aufträge -und eventuell sogar noch Auto, Backstube oder Putzeimer – bekommst du vom "Chefunternehmer", der dich dann pro Auftrag als "Subunternehmer" oder "freier Mitarbeiter" bezahlt. Es stellt sich hier die Frage, warum es der Chef nicht selber macht, wenn der Verdienst so gut wäre, wie er dir zunächst versprochen hat. Da du jetzt nicht nur für die Aufträge arbeiten musst, sondern dich nach der Arbeit auch noch um die Steuer, die Buchhaltung, Versicherungen und Abgaben kümmern musst, bist du meist bald überfordert. Wenn du dann irgendwann aufgibst, weil dir z.B. das Finanzamt im Genick sitzt, holt sich "der Chef " den nächsten Gutgläubigen.

Beim MLM (Multi-Level-Marketing-System), einer weiteren bösen Falle, wird ein so genannter Schneeballeffekt ausgenützt, als hättest du als Subunternehmer im vorherigen Beispiel wieder selbst andere Subunternehmer beauftragt (Sub-subunternehmer). Zumeist fängt es damit an, dass einem tolle Verdienstmöglichkeiten versprochen werden, wenn man eine bestimmte Warenmusterkollektion (häufig Kosmetik, Haushaltswaren oder Nahrungsergänzungsprodukte wie Energiedrinks, Algendiät o.ä.) gegen z.B. 100.- € erwirbt. Mit dieser Musterauswahl kann man dann – nach einem Fortbildungskurs der wieder 200.- € kostet – die Waren aus dem Musterset wo auch immer anpreisen und bei der MLM- Organisation bestellen lassen. Die meisten fangen damit im Verwandten- Freundes und Bekanntenkreis an. Für die Bestellung erhältst du eine Provision. Zugleich bekommst du das Recht, selbst wieder Mustersets an Freunde und Bekannte anzudienen. Dafür gibt es extra Provisionen und die Möglichkeit in der MLM- Organisation aufzusteigen. Im Grunde geht es weniger darum, die in den Sets erhaltenen Waren an den Mann zu bringen als die Sets selbst und die begleitenden Kurse loszuwerden. Wie bei den bekannten Kettenbriefen läuft sich die Sache irgendwann tot, wenn ein Freundeskreis so weit ausgereizt wurde, bis vielleicht in einer anderen Weltecke wieder ein neuer Glücksglaube einsetzt. Eine gute Übersicht über MLM- Aktivitäten erhälst du unter http://www.mlm-beobachter.de/index.htm.

Zu den gemeinsten Tricks gehört es, arbeitssuchende Menschen mit der Aussicht auf Verdienste durch Heimarbeit (z.B. künstlerische Arbeit, Schreiben von Geschichten, oder gar das Malen von Bildern) abzuzocken.

Wenn du auf so ein Angebot eingehst, kommt eine toll aufgemachte Broschüre wo z.B. die Verdienste von bekannten Schmuckherstellern, Autoren, oder Buchillustratoren beschrieben werden und das weitere Angebot unterbreitet wird, auch dein Talent zu fördern, indem man deine Kunstwerke, Geschichten, Bilder u.v.m. an namhafte Firmen und Verlage vermittelt.

Zuvor solltest du allerdings doch noch den superbilligen Kurs "Schmuckbatik für Jedermann", das Lehrbuch "Schreiben mit Stil", oder das "Malset Picasso" erwerben. Wenn du das tust, hast du schon deinen Zweck erfüllt, nämlich Waren erworben, welche du im Kaufhaus billiger, oder in der Stadtbibliothek umsonst bekommen hättest. Dein Förderinstitut - häufig eine GmbH, vielleicht mit Geschäftssitz im Ausland, hat sich dann – mit deinem Geld – schon in Luft aufgelöst.

Noch schneller beim Schröpfen deines letzten Geldes sind Unternehmen, welche ein attraktives Jobangebot mit dem Anruf der früheren 0190 …, oder der neueren 0900… Nummer verbinden. Bei den 0900-Nummern gibt die folgende Ziffer einzig Auskunft über die Art der Dienstleistung, nicht über die Höhe des Abrechnungsmodus. Die 1 steht für Informationsdienste, die 3 für Unterhaltung, die 5 für alles Mögliche, vor allem Sexdienstleistungen. Während du noch in der Hoffnung auf Arbeit schwebst, läuft der Gebührenzähler zu deinen Lasten. Am besten ignorierest du mit entsprechenden Rufnummern versehene Stellenangebote völlig. Aber auch hinter normalen Rufnummern können noch Fallen lauern. Wenn man dir die tolle Stelle nahezu  zusagt und dich nur noch mit R-Gespräch (läuft auf deine Gebühren) zurückrufen will oder auf ein R- Gespräch weitervermittelt, ist Vorsicht angesagt. Am besten nimmst du ein R-Gespräch bei der Jobsuche grundsätzlich nicht an.

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