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Frage gestellt von: Shirley

Hallo, ich bin seit Oktober arbeitslos. Nun hat mir meine Bank mitgeteilt, dass sie den Dispo von 2200,-, welchen ich voll ausgelastet habe, nicht mehr dulden können und haben mir diesen gestrichen. Zudem ziehen sie alle Abzüge (Strom, Internet, Autokredit usw.) wieder ein.
Folgende Kredite also Fixkosten sind aktuell am laufen (Aufstellung montl.):
Autokredit, 202€; Kredit für Zahnbehandlung/Implantat 98,70€; Handy ca. 30€, Strom 47€, Rechtschutz 19€; GEZ (Quartalsweise) 54€; TV/Internet& Telefon Flat 31,42€; Rentenversicherungen 81,29€; Otto 15€; Autoversicherung 133€;
Einkommen vom Arbeitsamt zur Zeit 1000€.
Zudem kommt noch, dass ich ab Mai meinen Weiterbildungskedit in Höhe von 3000€ MIT Zinsen zurück zahlen muss. Ich hätte die Gelegenheit den Kredit bis 11.05.11 Zinsfrei zurück zu zahlen, aber das wird wohl nichts.

Nun weis ich nicht wie es weiter gehen soll. Wie kann ich meine Fixkosten schmälern? Ist es sinnvoll aus den Krediten einen zu machen? WIe bekomme ich so schnell die 2200€ für die Bank her? Und kann man eine Stillegung für 3 Monate für den Dispo beantragen, sodass ich das eingehende Gehalt (ALG) für Rechnungen und nicht für den Dispo, nutzen kann?
Muss ich Privatinsolvenz anmelden? Zum Sozialamt kann ich auch nicht gehen, wegen Miete, denn die Wohnung läuft auf meinen Freund und der ist Student und hat kein Einkommen.

Beantwortet von: Boesefalle-Team

Hallo Shirley,

wir haben zwei verschiedene Emails von Dir erhalten, die wir zusammen beantworten möchten. Bevor wir zu Deinen konkreten Anfragen kommen, bitten wir Dich um etwas Geduld. Vorweg eine Zusammenfassung Deiner Anfrage. Du erhältst z.Z. ALG-I in Höhe von 1000,- €. Deine aufgelisteten monatlichen Ratenzahlungen/Verbindlichkeiten betragen etwa 600,- €/Monat. Daneben gibt es drei weitere große Posten:

Dispo-Kredit: 2000,- €

KfW-Kredit: 3000,- € (Rückzahlung ab Mai 2011)

Autokredit: ??? 

Falls unsere Zusammenfassung korrekt ist, nun unsere Einschätzung dazu (bitte habe Verständnis dafür, dass in einer ersten Stellungnahme keine umfassende Beratung möglich ist). Eine 2. vorausgehende Feststellung:

  • Aus Deinen laufenden Einnahmen heraus sind die Verbindlichkeiten z.Z. nicht zu bedienen, ohne Deine persönliche Existenz zu gefährden. Daraus folgt, dass die Dringlichkeit der jeweiligen Schuld eingeschätzt und begegnet werden muss.

An erster Stelle steht immer die Sicherung der unmittelbaren Existenz; d.h. Essen, Miete, Strom. Du solltest stets darauf achten, soweit möglich, diese Verbindlichkeiten zuerst zu bedienen.

Nun zu Deinen "eigentlichen" Fragen. Natürlich kannst Du bei Deiner Bank anfragen, ob sie den Dispokredit für 3 Monate stunden können. Der Haken daran ist jedoch: werden sie das das machen? Verpflichtet sind sie dazu nicht. Deswegen raten wir Dir, zumindest gleichzeitig zu diesen Verhandlungen ein Guthabenkonto bei einer anderen Bank einzurichten und Ihre ALG-I-Gelder in Zukunft über das neue Konto laufen zu lassen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Deine bisherige Bank das Geld komplett mit den Disposchulden verrechnet.

Weiterhin raten wir Dir, das bisherige Konto schriftlich zu kündigen. Ein Dispokredit kostet etwa 14% Zinsen gegenüber etwa 5% Zinsen bei einem gekündigten Konto.

Auch bei der KfW-Bank sind Verhandlungen sinnvoll und möglich. Schildere (schriftlich) Deine Situation, ruhig mit einer Kopie des ALG-I-Bescheids. Bitte dort um eine Stundung Ihrer Rückzahlung; ein Jahr Aufschub ist hier durchaus denkbar.

Zur Privatinsolvenz: es gibt keine Verpflichtung eine Privatinsolvenz einzureichen; ob das in Deinem Fall sinnvoll sein könnte, müsste in einem Beratungsverlauf herausgefunden werden. Es gibt aber z.B. auch eine Reihe Menschen, die ihre Schulden niemals werden zurückzahlen können und damit (gut) leben.

Für genauere Auskünfte benötigen wir weitere Angaben. Deswegen noch ein paar grundsätzliche Hinweise: wenn Du bei Google das Wort "Pfändungsgrenzen" eingibst, wirst Du schnell auf die sogenannte Pfändungstabelle nach § 850c ZPO stoßen. Nach diesem allgemein gültigen Gesetz wärst Du bei einem Einkommen von 1000,-€ zu 10,40 €/Monat pfändbar: mehr könnte Dir grundsätzlich nicht abgezogen werden. Es könnte aber u.U. Dein Vermögen (Rentenversicherung/Auto) mit einbezogen werden.

Abschließend folgender Rat: suche am besten eine Schuldnerberatungsstelle in Deiner Nähe auf, um Dich persönlich beraten zu lassen. Falls Du dafür weitere Informationen benötigst, melde Dich sich bitte bei uns. Überhaupt: falls Du noch irgendwelche Rückfragen oder neue Fragen hast, kannst Du sich jederzeit per Email oder auch telefonisch erneut an uns wenden.

Viel Grüße

Dein Bosefalle-Team